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Eine Sucht fällt nicht vom Himmel - Hans Klein

 
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koli61
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Anmeldedatum: 02.04.2010 22:04
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BeitragVerfasst am: Do 29.07.2010 09:10    Titel: Eine Sucht fällt nicht vom Himmel - Hans Klein Antworten mit Zitat

Dispositionen und Entstehungsbedingungen der Suchtkrankheit Alkoholismus

Fragt man einen Alkoholiker, warum sie getrunken haben, geben sie meistens eine ganze Reihe von Gründen dafür an. Doch den Hintergrund ihrer Alkoholerkrankung kennen sie in der Regel nicht. denn über Dispositionen und Entstehungsgeschichte wird nur wenig gesprochen.

Blaukreuz-Verlag
ISBN 3-89175-187-7

Hier ein Auszug Seite 104 bis 107

Die in einer solchen Familie mögliche Fehlentwicklung des Kindes möchte ich durch ein Beispiel illustrieren. Es kann anschaulich machen, was sich hier ganz konkret abspielt. Dazu dienen kann uns das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein" der Gebrüder Grimm. Wer kann, sollte dieses Märchen vorher lesen. Ich will jedoch die wesentlichen Stellen kurz erzählen:
Eine alte Geiß hat sieben junge Zicklein. Sie will in den Wald, um Nahrung zu suchen und schärft ihren Kindern ein, ja nicht dem bösen Wolf zu öffnen, der- sie sonst fressen wolle. Kaum ist sie fort, taucht auch schon der Wolf auf, der behauptet, er sei ihre Mutter und sie sollen ihn herein lassen. Sie merken jedoch an seiner- rauen Stimme, dass es der Wolf ist und weisen ihn ab. Da frisst er Kreide, um seine Stimme weich wie die ihrer Mutter zu machen. Doch er begeht den Fehler, dass er, als er einen neuen Versuch unternimmt, seine schwarzen Pfoten ins Fenster streckt. Daran erkennen die Kinder ihn wieder als den Wolf und schicken ihn erneut fort. Jetzt färbt er sich auch noch seine Pfoten weiß und damit endlich gelingt ihm sein Vorhaben. Die Geißlein lassen sich täuschen, machen ihm die Türe auf, sodass er hereinkommen kann. Nachdem sie ihn jedoch als den Wolf erkennen, rennen sie durchs ganze Haus und verstecken sich wo sie nur können. Bei seiner Suche, bei der er alle Möbel umwirft, findet er bis auf das jüngste Geißlein alle und frisst sie. Dann legt er sich auf der Wiese unter einen Baum und schläft. Als die Mutter Geiß heimkommt, sieht sie das Elend. Das jüngste Geißlein erzählt ihr, was los war. Die Mutter geht hinaus auf die Wiese, sieht den Wolf dort schlafend liegen und ihre Kinder in seinem Bauch zappeln. Da schickt sie ihr Jüngstes nach Schere, Nadel und Faden, schneidet dem Wolf den Bauch auf und ihre Kinder springen ihr unverletzt entgegen. Dann schickt sie alle Kinder Wackersteine suchen, die sie dem Wolf in den Bauch näht. Als dieser erwacht, rumpeln die Steine schwer in seinem Bauch und er bekommt Durst. Er geht an den Brunnen, wird von den Steinen hineingezogen und ersäuft. Da tanzen die Mutter und ihre Kinder ausgelassen um den Brunnen und singen, weil der böse Wolf endlich tot ist.
Was dieses Märchen mit unserem Thema zu tun hat, wird schnell deutlich, wenn wir erfahren, dass in manchen Märchenvarianten der böse Wolf der Vater der Geißlein ist.
Gehen wir davon aus und nehmen wir noch an, dass der Vater- der böse Wolf- alkoholkrank ist, sind wir mitten im Thema.
Nun ist es leicht vorstellbar, dass der betrunkene Vater sich immer wieder sowohl gegen seine Frau als auch gegen die Kinder aggressiv verhalten hat.
Dann ist verständlich, dass die Mutter auf Distanz zu ihm geht und ihre Kinder schützen will.
Vielleicht will sie sogar durch besondere Liebe den Totalausfall des Vaters ausgleichen.
Damit wären wir am Anfang des Märchens.
Dort sehen wir eine Familie, in der die Kinderganz auf der Seite der Mutter stehen und der Vater ausgegrenzt ist als der böse Wolf.
Die Kinder haben vor ihm Angst.
Versuchen wir, uns in den Vater hineinzuversetzen, können wir annehmen, dass ihn diese Isolation schmerzt.
Denn auch ihm liegt an der Gunst seiner Kinder.
Er möchte, dass sie zu ihm genauso nett sind wie zur Mutter. Darum will er wieder in seine Familie hineinkommen, besonders in das Leben seiner Kinder.
Deshalb versucht er, seine Frau zu imitieren. Sie redet anders mit den Kindern, ihre Stimme ist lieblicher.
Also spricht auch er anders. Doch das genügt nicht, weil er noch immer schwarze Pfoten hat, die wir mit schlechten Manieren gleichsetzen können.
Auch diese versucht er zu verbergen. Er unternimmt alles bis zur Selbstverleugnung, so wichtig ist ihm die Gunst seiner Kinder. Doch auch diese Anstrengung hat nur kurzen Erfolg.
Wir können annehmen, dass er seinen Änderungsversuch nur mit Hilfe von Alkohol schafft oder es nur kurzzeitig fertig bringt, auf Alkohol zu verzichten. Darum merken seine Kinder schnell, dass er immer noch der „böse Wolf" ist.
Nach wie vor fliehen sie und verstecken sich vor ihm. Jetzt bricht der Zorn im Vater durch, weil gar nichts helfen will.
Er fängt an zu toben, die Möbel zu rücken und frisst in seiner Wut - bildlich gesprochen - seine Kinder.
Dass das ein Bild ist, erkennen wir daran, dass die Kinder danach ja noch leben. Das Verhalten des Vaters ist ein typisch männlicher Wutanfall. Er lässt seine Wut an den Kindern aus, weil sie ihn nicht mögen. Er tobt aus Eifersucht, weil seine Frau nur noch die Kinder liebt. Zu ihnen ist sie nett, er ist abgeschrieben. Die Kinder haben seine Stelle bei ihr eingenommen. Nachdem er sich ausgetobt hat, legt er sich schlafen.
Und was tut die Mutter, als sie nach Hause kommt? Sie bindet die Kinder gleich wieder an sich, indem sie diese mithelfen lässt, den Vater mit Schuldgefühlen zu füllen, die ihm dann wie Wackersteine im Magen liegen. Der Vater wird, nachdem er wieder erwacht, ohnehin voller Scham sein und sieht nun noch all die vorwurfsvollen Blicke seiner Frau und die ängstlichen seiner Kinder. Der Blick jedes Kindes ist ein stiller Vorwurf, gegen den er sich nicht wehren kann. Es ist folgerichtig, dass er Durst bekommt, keinen körperlichen, sondern seelischen. Den muss er im Brunnen löschen, der bildlich für die Kneipe steht.
Wenn es im Märchen heißt, dass er in den Brunnen gefallen und ertrunken ist, ist dies ein bezeichnendes Bild dafür, dass er durch sein weiteres Trinken jetzt moralisch tot ist. Die Kinder haben keinen Respekt mehr vor ihm und tanzen ihm auf dem Kopf herum.
Wenn Ehefrauen alkoholkranker Männer das Märchen in ihrer Gruppe so kennen gelernt haben, erinnern sich auch noch Jahre nach der Trinkzeit viele daran, dass sie damals oft gedacht haben: Wenn er nur tot wäre! Das Märchen schildert nur eine Familiensituation, die durch das Trinken des Vaters entstehen kann. Es gibt auch andere. Aber ein Verlauf, wie er durch das Märchen gleichnishaft geschildert wird, ist häufig.
Was Kinder in einer solchen Familiensituation erleben, zeigt das Märchen. Sie haben Angst vor dem Vater und schließen sich einseitig an die Mutter an. Sie stehen ganz auf deren Seite und sind lebende Vorwürfe für den Vater. Auch sie freuen sich, wenn er „tot" ist. Dass dies keine gute Voraussetzung für eine seelisch gesunde Entwicklung eines Kindes ist, kann man leicht einsehen. Und dabei sind das noch lange nicht alle möglichen Schädigungen in einer Familie mit Alkoholproblemen.
Die weiteren seelischen Störungen und Beeinträchtigungen bei Kindern in solchen Familien sind von vielen Autoren ausführlich beschrieben worden und müssen darum hier nicht wiederholt werden. Übereinstimmung besteht dabei, dass das einzelne Kind mit vielen Verhaltensauffälligkeiten darauf reagiert. In jedem Fall ist es stark verunsichert. Auch ist die Gefahr groß, dass es die Verhaltensmuster des trinkenden Elternteiles übernimmt und später auch trinkt
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