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Co-Abhängigkeit Definition I

 
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Tara
Gast





BeitragVerfasst am: Fr 26.06.2009 01:22    Titel: Co-Abhängigkeit Definition I Antworten mit Zitat

(Quelle: A.i.d.A, Arbeitskreis Alkohol in der Alltagswelt e.V. (B. H.)


Co-Abhängigkeit

Die gelernten Denk- und Verhaltensweisen zwingen einen Menschen in einer Beziehung zu einem Abhängigkeitskranken förmlich zur Anwendung bestimmter Handlungen und damit zu veränderten Wesenszügen. Dies sind Wesenszüge, die sie in Bezug auf jede beliebige Person anwenden und die nichts mit der Partnerschaft zu tun haben.
Sie werden von Grund auf ein co-abhängiger Mensch.

Diese Verhaltensweisen können aber auch erlernt werden, wenn keine Person mit einer Abhängigkeit in der Familie vorhanden war oder ist.

Kennzeichen sind in der Regel:

Eigene Orientierung an anderen Menschen


Beziehungssucht - durch den Umstand, dass das Selbstwertgefühl gleich Null ist, bezieht der co-abhängige Mensch seine Existenzberechtigung durch den Partner. Wenn er selbst nichts wert ist, muss er durch die Beziehung "jemand sein". Ganz egal, wie zerstörerisch diese Beziehung auch sein mag, der Co-Abhängige wird mit aller Macht, mit aller Energie, mit allem Willen und mit allen Tricks versuchen, diese Beziehung zu halten. Er versucht, mit dem Willen Liebe zu erzwingen, und die Beziehung endlich in gangbare Bahnen zu verschieben. Der tägliche Kampf, der ständige Frust gibt ihnen Befriedigung. Sie sind abhängig vom Kampf. Sollte die Beziehung enden, wären sie am Ende mit ihrem Selbstwertgefühl - sie glauben instinktiv, sie wären dann eine Null. Der Gedanke daran löst meist Panikattacken aus, die äußerst schwer zu ertragen sind.

Sich nicht abgrenzen können

Gefühle von anderen Menschen übernehmen sie fast augenblicklich, sie handeln meist schon im voraus für andere, weil sie fühlen, was von anderen Menschen gedacht wird. Auf diese Weise denkt der Co-Abhängige, was er denken soll, und fühlt, was er fühlen soll. Dass er sich irren könnte ist nicht einsehbar, weil das Gefühl des fremden Gefühls im Bauch so übermächtig ist. Probleme, die der Partner hat, werden augenblicklich zum eigenen Problem. Wenn einer leidet, leidet auch der andere. So kann einer den anderen förmlich auffressen, und es leben beide in einer Symbiose, bei der sie nicht recht leben oder sterben können. Keiner weiß genau, wo eine Person aufhört und die andere anfängt. Sie glauben, dass eine Verschmelzung mit dem Partner erstrebenswerte Normalität in Partnerschaften ist. Man "gehört sich" gegenseitig. Jeder in der Familie übernimmt die Folgen des Trinkens und fühlt sich mitverantwortlich, kann erklären, wieso der betroffene Mensch trinkt und sein Verhalten auf diese Weise entschuldigen. Alle Stimmungen und alle Reaktionen innerhalb dieser Beziehung werden dadurch vom Abhängigen bestimmt, denn Co-Abhängige halten sich auch immer für alles und jeden verantwortlich. Sie erraten pausenlos, was von ihnen nach ihrer Ansicht erwartet wird, denn es ist ihr wichtigstes Vorhaben, von anderen anerkannt zu werden und deshalb müssen sie sich so verhalten, wie andere es haben wollen.

Fassade aufbauen

Immerzu bewegt den Co-Abhängigen die Frage - was denken Andere von mir oder von uns. Das kann zur fixen Idee werden und erfordert eine Menge Energie. "Entschuldigung" oder "es tut mir leid" gehören zu den gängigsten Vokabeln, denn sie empfinden sich selbst für die absurdesten Dinge als verantwortlich. Selbst dann, wenn die Sache überhaupt nichts mit ihnen zu tun hat und niemand auf die Idee käme, dass sie daran in irgendeiner Weise einen Anteil haben. Allen möchten sie es recht machen, niemandem zur Last fallen, nicht im Wege stehen und um jeden Preis hilfreich sein. Sie wittern den Ärger anderer Leute, wo überhaupt kein Ärger ist. Sie beziehen alles und jede Kleinigkeit auf sich und damit vermuten sie auch ständig, jemand könnte sich über sie geärgert haben. Dabei ist es ihr größter Wunsch, einen guten Eindruck zu hinterlassen und von jedermann als umgänglich und hilfsbereit angesehen zu werden. Sie können es kaum ertragen, wenn sie vermuten, jemand könnte sich über sie geärgert haben. Sie haben deshalb auch die Gabe, schlechte Charaktereigenschaften bei anderen Menschen zu ignorieren oder zu entschuldigen, in jedem Fall aber zu übersehen. Kritik würden sie nie aussprechen, denn sie wollen ja um jeden Preis gefallen und jedermanns guter Freund zu sein. Läuft etwas schief, so haben sie selbst versagt. Notfalls muss manipuliert und gelogen werden, um die Fassade zu erhalten. Nicht negativ auffallen - und das um jeden Preis.

Nicht wissen, was sie fühlen und was sie wollen

Sie glauben nicht, was sie fühlen, trauen ihren eigenen Wahrnehmungen nicht, und können deshalb keine eigenen Entscheidungen treffen. Zuerst brauchen sie die Bestätigung, dass ihr Empfinden richtig ist. Noch besser ist es, wenn ihnen jemand sagt, was sie fühlen sollten und deshalb wollen. Eine eigene Entscheidung fordert von ihnen eine übermenschliche Anstrengung, die sie ganz kaputt macht. Sie versuchen, von anderen eine Entscheidung zu erzwingen, damit sie nicht selbst entscheiden müssen. Es ist aber auch möglich, dass sie eine Meinung aufnehmen und sicherheitshalber um jeden Preis verteidigen und behalten, denn zu einem Überdenken der Situation und zu einer anderen Entscheidung zu kommen sind sie nicht in der Lage. So ist es auch oft mit den Beziehungen - manchmal fühlen sie unbewusst, dass diese Beziehung ein Ende haben sollte, sind aber selbst außerstande, dieses Gefühl zu äußern. Sie provozieren den Partner dann so lange, bis er sagt: du hast recht, trennen wir uns. Dann aber setzt sofort die Panik ein und sie verhindern mit aller Macht, dass dieser herbeimanipulierte Entschluss wahr wird. Außerdem lässt ihr krankes Selbstwertgefühl die Möglichkeit nicht zu, dass der Partner auf ihre Hilfe und ihre Person tatsächlich verzichten möchte, und so bleiben sie denn lieber in der zerstörerischen Partnerschaft.

Übertriebene Fürsorge

Sich unentbehrlich machen - jeder Mensch soll sie mögen, soll sie am Besten brauchen, und natürlich möglichst ohne sie nicht mehr auskommen. Dann fühlen Co-Abhängige sich wohl, dann ist das kranke und unterentwickelte Selbstwertgefühl einigermaßen in Ordnung. Durch die Fähigkeit, zu erspüren, was andere wollen könnten, schaffen es Co-Abhängige schon Dinge zu erledigen, bevor der Andere überhaupt weiß, dass er sie brauchen könnte. Sie erledigen (meist ungebeten) Sachen, die andere eigentlich ganz gut selbst tun könnten, manchmal auch selbst tun müssten. Oft überfordern sie sich mit den vielen Dingen, die sie für andere tun. Sie hoffen, dass sie gebraucht werden und sichern damit ihre zwischenmenschlichen Beziehungen ab. Wer sie braucht, wird sie nicht verlassen (können). Dann fühlen sie sich relativ sicher. Sie verlangen aber auch, für ihre Leistungen anerkannt zu werden. Klappt dies nicht so recht, so machen sie sich noch etwas mehr unentbehrlicher, und noch etwas mehr und noch etwas mehr.

Sie leiden, genießen die Aufmerksamkeit und wehren gleichzeitig das willkommene Lob ab. Durch die vielen Dinge, die sie erledigen müssen, durch die Fassade, die sie aufrechterhalten, durch die Fäden, mit denen sie die Familie zusammenhalten und dadurch, dass sie trotz aller Anstrengung in solch einer problematischen Situation stecken, und doch nie aufgeben, hoffen sie die Anerkennung anderer Menschen zu erhalten. "Dass Du das schaffst..." oder "das würde ich nicht aushalten" sind Lohn für das Chaos, aus dem ihr Leben besteht. Das Schicksal hat sie hart herangenommen, denken sie und andere, und sie müssen viel aushalten. "Wenn das jemand schafft, dann bist Du es " zollt dem co-abhängigen Menschen den Respekt und die Anerkennung, nach denen er so dringend verlangt. Sie sagen dazu meist: <<ich>>

Leider bleibt in der Regel die Anerkennung von dem aus, um den es geht - nämlich dem betroffenen Abhängigen. Egal wie tapfer und heroisch der co-abhängige Mensch sich immer wieder kümmert, Verständnis zeigt, ausbügelt, und erträgt - der Abhängige hat ein intuitives Gespür dafür, den Co-Abhängigen durch Vorenthalten der Anerkennung sozusagen zu noch mehr Anstrengung herauszufordern. Je mehr ihm Liebe und Anerkennung verweigert wird, desto mehr strengt sich der Co-Abhängige an. Sein Perfektionismus nimmt bedenkliche Formen an. Unerbittlich fordert der co-abhängige Mensch, dass er alles im Griff hat und keine Fehler macht. Ständige höchste Anspannung und Überforderung ist die Folge.

Sie sind stolz auf ihre Leistungen - so selbstlos und aufopfernd ist sonst niemand, den sie kennen. Sie sind sicher, dass es das ist, was Kirche und Mitmenschen von einem guten Christenmenschen erwarten. Sie sehen sich als die Sonne, um die die Familie kreist, der einzige Faktor, der alles zusammenhält. Sie glauben deshalb auch sofort, sie wären die Ursache für Störungen. Alles und jedes nimmt der Co-Abhängige persönlich, er ist deshalb oft geknickt und beleidigt. Andererseits vermittelt er ständig zwischen anderen, fragt "was habe ich denn getan, dass es dir nicht gut geht" und mischt sich ständig in die Angelegenheiten anderer ein, weil er versucht, deren Probleme für sie zu lösen. Zu diesem Zweck muss er kontrollieren, manipulieren, lenken, und sich manchmal aufdringlich anbiedern. Alles wissen und alles verstehen, von jedermann als Vertrauensperson benutzt zu werden, verleiht ihnen Macht. Dadurch, dass dieser Mensch seine Grenzen und die Grenzen anderer Menschen nicht kennt, glaubt er, in dessen Interesse zu handeln. Der Co-Abhängige meint, alles für andere zu tun, und handelt doch in eigenem Interesse. Das aber kann er nicht erkennen und verstehen. Er ist deshalb auch tödlich getroffen, sollte jemand diese ungefragte Hilfestellung ablehnen. Das ist eine persönliche Ablehnung für ihn - eine schlimme Niederlage, die die Existenz der co-abhängigen Menschen förmlich infrage stellt. "Das habe ich aber nun wirklich nicht verdient..." Diesen Mechanismus bei einem co-abhängigen Menschen aufzuklären ist ein überaus schwieriges Unterfangen, das sein gesamtes Weltbild erschüttert. Angst vor Verlust oder vor Missverständnissen beherrschen den Mitbetroffenen Menschen. Um alle Fäden in der Hand halten zu können, muss man Kontrolle ausüben, alles wissen, alles verstehen, alles steuern.

Unehrlichkeit, Verleugnung, sich selbst und anderen gegenüber, machen es schwer, sich ein wirklichkeitsgetreues Bild vom Leben und Denken der Familie zu bilden. Sie haben manchmal wahnhafte Vorstellungen von einem erträumten Familienleben, das in Wirklichkeit ein einziges Chaos ist, und glauben aber bis zu einem bestimmten Grad, dass es so ist, wie sie es sehen wollen. Gestörte Denkmuster (Verwirrung, zwanghaftes Denken) über Gut und Böse, über Richtig und Falsch, über Wahrheit und Lüge kommen im Fortgeschrittenen Stadium dazu. Die Aufrechterhaltung eines einigermaßen intakten Familienlebens führt zu Moralverlust (innere Werte werden aufgeben). Angsterkrankungen verschiedener Art ziehen ein.

Am Ende ergreifen Depressionen (Hilflosigkeit, Sinnlosigkeit) und Gefühlstörungen, wie innere Leere, verzerrte Gefühle, oder ein Gefühlsstau den ganzen Menschen und machen ihn körperlich schwer krank. Würde jetzt jemand plötzlich die Last von ihm nehmen, würde dieser Mensch vor Leere und Sinnlosigkeit seines eigenen Daseins zusammenbrechen.
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