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Sauf und stirb! Oder lebe!

 
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Christa
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Anmeldedatum: 29.04.2006 09:04
Beiträge: 6973

BeitragVerfasst am: Do 17.06.2010 16:40    Titel: Sauf und stirb! Oder lebe! Antworten mit Zitat

Als Gisela (57, Name geändert) ihre Geschichte erzählt, ist sie an einer Stelle den Tränen nah, ihre Stimme bricht. Sie erinnert sich an eine Zeit, als ihre zweijährige Tochter mit „traurigem Gesicht in der Ecke stand“. Das kleine Mädchen hat damals wohl die Not der Mutter gespürt. Denn Gisela ist Alkoholikerin. Inzwischen hat ihr Leid jedoch ein Ende, die Münchnerin ist seit 15 Jahren trocken. Geschafft hat sie das mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker, die derzeit 75-jähriges Jubiläum feiern.

Dass bereits ihr Vater an den Folgen des Alkohols gestorben ist, hat Gisela nicht vom Trinken abgehalten. „Sucht? Ich dachte, das könne mir nicht passieren“, sagt sie. Schließlich habe der Vater Cognac getrunken und Gisela Bier. Und Bier sei ja ein Nahrungsmittel, redete sie sich damals ein. Jeden Tag in der Früh um sechs, sobald ihr Mann im Bad verschwunden war, um sich zu rasieren, ist sie in den Keller zum Getränkekasten gestürmt. Ruckzuck hat sie sich eine Halbe Bier hinter die Binde gekippt, um ihren Mann nach seiner Morgentoilette dann wieder im Bett zu empfangen. „Ich wusste genau, wie lange er braucht“, sagt sie. Die Ausflüge in den Keller habe ihr Mann nie bemerkt. In den Jahren der Abhängigkeit wurde Giselas Dilemma immer schlimmer. Geistige Aussetzer stellten sich ein, Depressionen, Angstzustände. Weil sie oft alkoholisiert mit ihren beiden kleinen Töchtern im Auto unterwegs gewesen ist, hat ihr Mann ihr den Wagenschlüssel abgenommen. „Ab 17 Uhr war ich zu nichts mehr in der Lage, ab 21 Uhr musste ich ins Bett.“

Den ersten stationären Alkoholentzug hat sie im Krankenhaus in der Krebsstation gemacht, woanders waren keine Betten frei. Und obwohl Gisela damals gesehen hat, dass manche dieser Patienten überhaupt keine Chance auf Genesung haben, war das für sie selbst noch nicht heilsam genug. „Drei Wochen nach dem Entzug habe ich wieder getrunken.“ Ein Arbeitskollege hat ihr dann von den Anonymen Alkoholikern erzählt. Drei Monate hat es dann noch einmal gedauert, bis sie sich dazu durchringen konnte, ein Treffen der Anonymen Alkoholiker zu besuchen. „Ich habe mich geschämt bis aufs Hemd.“ Doch dort in Gemeinschaft über ihre Sucht zu reden, hat Gisela schließlich Halt und die Kraft gegeben, abstinent zu leben. „Bis dahin war mein Leben dunkel und hoffnungslos.“ Erst bei den Treffen keimte in Gisela der Gedanke auf, dass es tatsächlich möglich sei, ohne Alkohol zu leben.

Neben Gisela berichtet auch Christian über seinen Weg aus der Sucht. Bei der Frage nach der Menge an Alkohol, die sie früher getrunken haben, winken beide ab. „Die Menge ist nicht ausschlaggebend, es zählt nur, ob man regelmäßig trinkt“, erklärt Gisela. Im Gespräch kommt dann trotzdem raus, dass Christian bis zu eineinhalb Flaschen Wodka am Tag getrunken hat. Heute ist er 16 Jahre trocken, für ihn ist es eine „Gnade“ gewesen, mit dem Trinken aufhören zu dürfen. Und Alkoholiker hätten nur zwei Möglichkeiten. „Sauf und stirb oder lebe – dazwischen gibt es nichts.“

Seit 1935 gibt es nun die Anonymen Alkoholiker, die in den USA gegründet wurden. Das erste Treffen in Deutschland fand 1953 im Schwabinger Hotel Leopold statt. Die Personenzahl der Selbsthilfegemeinschaft ist bis heute auf rund zwei Millionen weltweit angestiegen. In München veranstalten rund 90 Gruppen wöchentlich ihre Meetings. Wer zu einem Treffen gehen möchte, kann das jederzeit tun. Die einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören.

Auf der Homepage der Anonymen Alkoholiker www.anonyme-alkoholiker.de gibt es eine Übersicht über alle Meetings. Die Gemeinschaft ist auch unter Telefon 55 56 85 täglich von 18 bis 21 Uhr zu erreichen. Hilfe gibt es auch für Angehörige: etwa die Selbsthilfegruppe „Alateen“, für junge Menschen in Familien, in denen es Alkoholprobleme gibt (www.alateen.de) und „Al-Anon“, eine Selbsthilfegruppe für Angehörige und Freunde von Alkoholikern (www.al-anon.de).

Von Kirsten Ossoinig

Quelle:http://www.wochenanzeiger.de/article/99628.html
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